September 30, 2016

Die erfolgreichen und erfolglosen westlichen Banken in Russland

Nach turbulenten und schwierigen Jahren haben ausländische Banken in Russland ihren Lernprozess abgeschlossen und profitieren von ihrer „Fahrt in den Osten“. Für einige Banken wurde die russische Tochterfirma zu einem Profit-Center und „Kronjuwel“ – der Eintritt in den russischen Markt zu einem Positivbeispiel für die Markterweiterung.

Derzeit sind in Russland 154 Banken mit ausländischem Kapital aktiv. Davon befinden sich drei ausländische Banken unter den 20 größten und 18 unter den 100 größten Banken: Unicredit Bank (9. Platz mit 19,5 Milliarden Euro), Raiffeisenbank (11. Platz mit 12,1 Milliarden Euro) und Rosbank – Societe Generale Group (13. Platz mit 11,4 Milliarden Euro) gemessen am Nettovermögen. Der Anteil der 18 Banken am Gesamtvermögens des russischen Bankensystems liegt bei sechs Prozent.

Nach schwierigen Jahren verließen zwischen 2010 und 2015 15 internationale Banken den russischen Markt, nachdem die geschätzten Gesamtverluste 2 Milliarden US-Dollar überschritten. Ausschlaggebend für die hohen Verluste war der Markteintritt zu einem Zeitpunkt, in dem die Banken bis zum dreifachen Wert überbewertet waren. Zehn dieser 15 Banken sind in Russland zwischen Ende 2006 und Anfang 2008 aktiv geworden, der Zeitrahmen, in dem die russischen Banken am stärksten überbewertet waren.



Eine wechselhafte Geschichte zwischen gigantischen Gewinnen und horrenden Verlusten

Die Geschichte des Engagements ausländischer Banken in Russland seit der Jahrtausendwende ist von goldenen Jahren mit hemmungslosen Wachstum und gigantischen Gewinnen, sowie von atemberaubende Abstürze mit riesigen Verlusten gekennzeichnet – nachdem 2002 der europäische Bankenkonzern Home Credit mit seinem Markteintritt das Tor für ausländische Bankkonzerne geöffnet hat.

Nach den goldenen Jahren 2007/08 folgte der freie Fall. Bis Ende 2009 war von der optimistischen Stimmung der Investoren und Banker nichts mehr vorhanden. Im Oktober 2009 sank die Kapitalisierung der russischen Börse um 70 Prozent. Am 23. Januar fiel der RTS Index unter 500 Punkte auf das Niveau von 1997. Der Rubel verlor 56 Prozent gegenüber dem US-Dollar, Brent-Rohöl stürzte 2009 auf 41 Dollar pro Barrel nach dem Höchststand von 147 Dollar pro Barrel im Juli.

Die Krise hat die russische Wirtschaft schwer getroffen, Unternehmens-Kredite sind dementsprechend deutlich zurückgegangen. Das abgeschwächte Wirtschaftswachstum machte die prognostizierten Wachstumsraten im Bankgeschäft unrealistisch. Das führte zu einer schmerzhaften Neubewertung von Investitionen in russische Bankwerte.

Der Exodus ausländischer Banken aus Russland begann unmittelbar nach der Finanzkrise 2008-2009. Die folgeschwersten Verkäufe von Tochterfirmen internationaler Banken starteten 2010. Banken, die russische Vermögenswerte zu überhöhten Preisen erworben hatten, waren die ersten, die den Markt verließen.



Erfolgreiche ausländische Banken verstärken Aktivitäten

Die verbliebenen ausländischen Banken bauen derzeit ihre Aktivitäten weiter aus. Dazu gehören beispielsweise die russischen Tochterfirmen der Societe Generale (Rosbank, Rusfinansbank, DeltaCredit), Unicredit, Raiffeisenbank, OTP Bank, Nordea, Home Credit usw. Nicht nur westliche, sondern auch chinesische Banken eroberten während der Krise den russischen Markt. Darunter die Bank of China, China Construction Bank, Industrial and Commercial Bank of China und Agricultural Bank of China. Die chinesischen Banken sind insbesondere im Markt für Handelsfinanzierung und Firmenkredite aktiv, wobei der Schwerpunkt auf chinesischen Unternehmen liegt, die in Russland agieren. Keine von ihnen ist bislang auf den Sektor für Privatkundenfinanzierung oder allgemeiner Unternehmensfinanzierung des russischen Bankenmarkts vorgedrungen. „Eine Bank kann am russischen Markt nur erfolgreich sein, wenn sie mehrjähriger Marktführer im POS-Kreditgeschäft ist und die Qualität ihrer Vermögenswerte dank eines sorgfältigen Risikomanagements fortwährend verbessert,“ so Stanislav Duzhinsky, Analyst bei der Home Credit Bank. „In der Tat sollte eine Bank, die auf dem russischen Markt erfolgreich sein will, fähig und willens sein, ihre Strategie und ihr Geschäftsmodell an das russische Wirtschaftsumfeld anzupassen.“ Dmitry Agishev vom Moskauer Büro der Deutschen Bank stimmt dem zu: „Langfristig erfolgreich sind Banken nur durch Engagement für die russische Wirtschaft und Flexibilität, die eine rasche Anpassung an den Markt ermöglicht.“



Deutsche Banken in Russland

Die deutschen Banken waren mit ihrem Engagement in Russland immer vorsichtig. Allerdings war die Deutsche Bank 1973 die erste Bank, die nach dem zweiten Weltkrieg in der damaligen UdSSR ihre Außenstelle eröffnete. 1993 folgte die Dresdner Bank und 2010 die COMMERZBANK (EURASIJA) und 1995 erhielt eine Tochterbank der WestLBGroup – die WestLBVostock- eine Lizenz auf die Durchführung der Bankgeschäfte.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Banken, war keine deutsche Bank im Einzelhandelssektor aktiv oder bot Kredite und Finanzprodukte für den kleinen Mann an. Der Fokus lag von Beginn an auf den deutschen Unternehmen in Russland sowie ihren wichtigsten russischen Partnern. Im Bereich der Dienstleistungen konzentrierten sich die deutschen Banken auf die wohlhabenden Kunden und boten Service auf höchsten Niveau sowie die ganze Palette der Finanzprodukte und -instrumente des Privatebankings, das bis heute als Vorbild für russische Banken dient, die mit vermögenden Kunden arbeiten.

Der Wirtschaftsboom anfangs der 2000er Jahre ließ allerdings den deutschen Finanzsektor nicht ganz unberührt. Auf Initiative von Daimler wurde 2007 in Russland die Mercedes-Benz Bank Rus gegründet, die auf Autokredite spezialisiert wurde. Im Jahr darauf eröffnete der BMW-Konzern eine ähnliche Autokreditbank, und 2010 gründete man die Volkswagen Bank RUS. Die deutschen Banken bieten bessere Konditionen und konnten damit die Krise von 2008/09 besser überstehen. Vom Einbruch am russischen Automarkt merken die Banken nichts, weil die Verkäufe der Premiumautos kaum gesunken bzw. bei einigen Marken sogar deutlich gestiegen sind. In absehbarer Zeit werden die deutschen Banken, die in Russland verbleiben, höchstwahrscheinlich eine abwartende Position einnehmen und den Status quo aufrechterhalten.

Über National Rating Agency (NRA)

Die National Rating Agency wurde im Jahr 2000 in Russland gegründet und ist eine der führenden, privaten, unabhängigen Ratingagenturen in Russland. Die National Rating Agency (Russland) betreut rund 400 Kunden und kooperiert mit mehr als 800 Banken und Unternehmen. Ratings werden derzeit nur in Russland gemacht.
NRA International GmbH ist eine Tochtergesellschaft der National Rating Agency (NRA) Russland mit Sitz in Wien (Österreich) und bietet analytische Unterstützung für Unternehmen, die auf dem russischen Markt arbeiten oder sich für eine Investition in Russland interessieren.

Wirtschaft, 30.09.2016

Nachrichten

Яндекс.Метрика