October 7, 2016

Gastkommentar Mag. Victoria Mukhina, Geschäftsführerin von NRA International in Wien

Zentralbank greift durch und will Wirtschaft ankurbeln

Trotz Rezession hat die russische Zentralbank im Herbst das zweite Mal im Jahr 2016 den Leitzins gesenkt. Mit der Senkung will die Zentralbank die Konjunktur stützen und damit wird das prognostizierte Wirtschaftswachstum für den Anfang 2017 durchaus realistischer.

Die russische Zentralbank hat im Juni den Leitzins auf 10,5 und im September 2016 auf 10,0 % zurückgenommen. Eine weitere Senkung auf 9,5 % ist durchaus noch im Rahmen des Möglichen. Dieses positive Signal steht im Einklang mit der Entwicklung der Inflationsrate, die derzeit bei 6,6 % liegt, nachdem es zu Jahresbeginn noch über 10 % waren. Die Senkung der Inflationsrate ermöglicht der Zentralbank einen gewissen Spielraum. Hinzu kommen aber noch andere Faktoren wie der Ölpreis oder das Währungsrisiko.

Zentralbank greift stärker ein

Die Banken mussten zusätzlich eine Verschärfung bei den Risikovorsorgestimmungen hinnehmen. Die Zentralbank hob im Juni die Vorsorgebestimmung bei Banken für Rubel und um 1 % und für Fremdwährungsverbindlichkeiten um 0,75 % an. Zusätzlich wurde der Basiszinssatz der Beiträge der Mitgliedsbanken zur gesetzlichen Einlagensicherung von 0,1 auf 0,12 % angehoben. Die Zentralbank hat auch Änderungen im Sanierungssystem der Banken angekündigt und möchte künftig stärker eingebunden werden, d.h. es soll nicht nur Finanzspritzen für finanziell schlecht aufgestellte Banken geben, die russische Zentralbank möchte auch stärker die Kontrolle beim Sanierungsprozess übernehmen. Darüber hinaus wird die Errichtung eines Sonderfonds vorgeschlagen, der die sanierungsbedürftigen Banken mit Kapital versorgen soll.


Bereinigung im Bankensektor


Von den 619 russischen Banken, der noch am 01.08.2016 aktiv waren, wurden 7 Banken im August und 9 Banken im September die Lizenz entzogen, dabei handelte es sich jedoch um drei wichtige Player unter den Top 100 in der Bankenlandschaft. Betrachtet man die Entwicklung seit Anfang 2015, dann wird die angespannte Situation etwas deutlicher. Hauptursache für den Lizenzentzug waren eine negative Eigenkapitalquote, risikoreiche Anlagekategorien und eine unzureichende Risikobewertung. Der Anteil der kleineren Banken unter den Top 500 ist 2016 auf 0,1 % geschrumpft. Wir gehen von einer weiteren Reduktion der Kreditinstitute aus.


Anteil der fünf größten Banken hat sich erhöht

Der Anteil der fünf größten Banken am gesamten Bankaktiva hat sich damit im 2. Quartal 2016 von 55,5 auf 56,6 % erhöht. Betrachtet man die Top 200-Banken, dann bleibt der Anteil unverändert bei 97,7 %. Darüber hinaus entfallen auf die Top 200-Banken jetzt 98,4 Prozent des gesamten Kreditportfolios, sowie satte 98,1 % der gesamten Privat- und Firmeneinlagen.

Weiterhin schwierige Situation für Banken

Insgesamt hat sich die schwierige Situation für die russischen Banken nicht gebessert. Positiv zu vermerken ist in der Entwicklung 2016 gegenüber 2015 einzig ein geringerer Rückgang der Spareinlagen der Kunden. Höhere Rückstellungen für Kreditausfälle werden bis zum Jahresende voraussichtlich die Rentabilität drücken, obwohl sich das Gesamtergebnis des Sektors wahrscheinlich verglichen mit 2015 verbessern wird.

Börsen-Kurier, 43/2016, Seite 7

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