Dezember 8, 2016

Gastkommentar Mag. Victoria Mukhina, Geschäftsführerin von NRA International in Wien


Russlands Metallindustrie steht weiterhin vor Herausforderungen


Europas Stahlproduzenten und Metallindustrie stöhnen aufgrund der Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland und der Billigimporte aus dem Osten. Durch Strafzölle will die EU ihre Stahlindustrie schützen. Aber auch die Metallindustrie in Russland leidet aufgrund der Schwächeinden Konjunktur und des Protektionismus - wenn auch weniger stark.


Russland ist weltweit der zweitgrößte Produzent von Aluminium, Nickel und Platingruppenmetallen sowie der fünftgrößte Stahlproduzent. Die Metallindustrie ist damit auch ein Treiber für den internationalen russischen Handel. Auch im Bereich der Edelmetalle hat das Land eine starke Position auf dem Weltmarkt: Platz 3 bei der Gold- und Rang 4 bei der Silberproduktion.

Die international und national schwache Marktentwicklung im Jahre 2015 hat allerdings auch die russische Metallindustrie vor Herausforderungen gestellt. Vor allem die Rezession in China, dem größ- ten Akteur im globalen Metallmarkt, hatte negative Auswirkungen auf Russlands Metallindustrie. China hat sich 2016 zwar stabilisiert, aber die EU hat mit Strafzöllen die Situation für den Industriezweig in Russland wiederum verschärft. Hinzu kommt, dass China mehr exportiert und damit die Wettbewerbssituation verschärft. Denn Russland exportiert ebenso eine beträchtliche Menge Stahl und belegte 2015 mit 25,3 Mio Tonnen den dritten Platz unter den Nettoexporteuren, hinter China mit 98,4 Mio Tonnen und Japan mit 34,9 Mio Tonnen.

Besonders betroffen von der schwierigen Marktsituation war der Sektor der eisenhaltigen Metalle. Die Preise für Nichteisenmetalle entwickelten sich entsprechend dem Trend am allgemeinen Rohstoffmarkt negativ. Trotzdem stiegen die Investitionen in die russische Nichteisenmetallindustrie 2015 um 29,3%.


Rückgang bei Stahl-, Anstieg bei Eisenproduktion


Die Produktion von Rohstahl sank 2015 weltweit um 2,9 % auf 1.621 Mio Tonnen. Russland musste ebenfalls Einbußen in der Produktion von Rohstahl im Jahr 2015 hinnehmen, allerdings war der Rückgang mit minus 1,8% geringer als im globalen Durchschnitt. Laut dem Ministerium für Industrie und Handel wurden 2015 69,4 Mio Tonnen Rohstahl erzeugt. Die globale Nachfrage sank um 3 % auf 1.500 Mio Tonnen fertigen Stahl, vorwiegend aufgrund des Rückgangs des chinesischen Stahlverbrauchs um 3,3 %. In Russland selbst war der Einbruch aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation und geringer Investitionen von Staat und Unternehmen stärker und betrug 8,4 %. Die russische Produktion von Roheisen stieg um 4,4 % im Gegensatz zum weltweiten Trend von minus 2,7%.


Starkes Plus bei Silberproduktion


Die Gold- und Silberpreise am Weltmarkt sind weiter gefallen. Russlands Goldproduktion blieb relativ unverändert und stieg geringfügig um 0,5 % auf 289,47 Tonnen. Die Silberproduktion stieg 2015 hingegen um beeindruckende 16,6 % auf 1.247 Tonnen.


Gewinner: Exporteure


Am erfolgreichsten waren 2015/16 in dieser herausfordernden wirtschaftlichen Situation vor allem jene Unternehmen, die ihre Präsenz in den Schlüsselmärkten ausgebaut und den Export ausgedehnt haben. Die Metallbranche erwartet für heuer eine Seitwärtsbewegung. Ein nachhaltiger Aufschwung wäre auch für Russland entscheidend.


Börsen-Kurier, 49/2016, Seite 7

Nachrichten

Яндекс.Метрика