August 19, 2016

Gastkommentar von Victoria Mukhina, Geschäftsführerin von NRA International in Wien

Russlands Haushalte sparen

Die Konsumenten und der Einzelhandel stöhnen, die Nahrungsmittelpreise sind um 20 % gestiegen und die Reallöhne sinken. Die Verkaufszahlen im Einzelhandel sanken um 10 %.


Die Russen lieben das gesellige Leben. Aber die Situation für die russische Bevölkerung ist um dritten Jahr der Krise schwieriger denn je. Die Lebensmittel sind teuer, die Reallöhne sinken, viele wurden entlassen, der Zugang zu Krediten wird immer schwieriger. Nun müssen die Russen sparen und billiger essen, denn die Nahrungsmittelpreise sind um 20 % gestiegen. Der Einzelhandel rudert, die Nahrungsmittel machen mehr als 48 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes aus.


Der schlechte Rubelkurs und die niedrigen Ölpreise haben die Inflation in Russland in zweistellige Bereiche getrieben. Inflationsbedingt ist der Umsatz des Einzelhandels 2015 auf 27,5 Milliarden Rubel angewachsen, real sind die Verkaufszahlen allerdings um 10 % gesunken. Der Rubelkurs zeichnet auch für die Verteuerung importierter Waren wie Kleidung und Schuhe verantwortlich. Geschäfte mussten dicht machen, andere haben die Gunst der Stunde von moderaten Immobilienpreisen genutzt und neue Geschäfte eröffnet.


Jeder Fünfte im Einzelhandel tätig


Dabei trägt der Handel satte 15,8 % zum Bruttoinlandsprodukt bei und übertrifft damit die verarbeitende Industrie (14,1 %) und die Bergbauindustrie (9,8 %). Für die krisengeschüttelte Bevölkerung ist der Handel eine der wichtigsten Stützen, immerhin arbeitet nahezu jeder fünfte Russe oder 12,7 Millionen im Handel.


Importe: niedrigster Wert seit 2000


Im Einzelhandel sinkt der Anteil der importierten Waren weiter. 2015 betrug der Anteil der importierten Waren an den Verkaufserlösen gerade noch 38 %, dem niedrigsten Wert seit dem Jahr 2000. Die Nahrungsmittel- und Agrarimporte schrumpfen weiter um beträchtliche 35,6 % auf 10,2 MrdUSD. Einfuhren von Textilien, Bekleidung und Schuhen sind ebenfalls um ein Drittel auf 10,2 MrdUSD zurückgegangen. Die Produzenten von Pflanzenöl, Milchpulver und Sahne sind nach wie vor auf importierte Rohmaterialien angewiesen.


Wohnbau angekurbelt


Das kontinuierliche leichte Wachstum im Wohnbau hat den Heimwerkermarkt beflügelt.
Auch bei Haushaltsgeräten hat sich der Absatz nicht im befürchteten Ausmaß reduziert.
Wichtige Player wie M. Video oder Eldorado bauten deshalb im vergangenen Jahr ihre Präsenz in Russland aus. An den Börsen konnte der Handel punkten. An der CJSC MICEX Wertpapierbörse haben 2015 Konsumgüter und Handel am besten abgeschnitten.


Bӧrsen-Kurier, 33/2016, Seite 13

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